Klarinette lernen: Welches Instrument für den Anfang?

Wer eine Klarinette kaufen will, um sie zu lernen, steht zuerst vor einer Systemfrage: Das deutsche Griffsystem (Oehler) und das Böhm-System unterscheiden sich in der Mechanik und teilweise in der Grifftechnik. International und in den meisten Musikschulen ist das Böhm-System verbreitet, es ist auch die Grundlage der meisten Lehrwerke. Das Oehler-System findet man vor allem in Teilen der deutschen und österreichischen Orchestertradition. Wer nicht gezielt in ein Orchester mit Oehler-Instrumenten will, fährt mit Böhm in der Regel besser, weil Gebrauchtmarkt und Unterrichtsmaterial größer sind.

Fast alle Anfänger spielen eine Klarinette in B. Sie ist die gängige Standardstimmung für Unterricht, Blasorchester und Ensembles. Als Material findet man bei Einsteigermodellen häufig ABS-Kunststoff, bei höherwertigen Instrumenten Grenadill-Holz. Kunststoff ist unempfindlich gegen Feuchtigkeit und Temperaturschwankungen und deshalb für Kinder und Schulalltag sinnvoll. Ein Holzinstrument klingt meist etwas wärmer, verlangt aber sorgfältigere Pflege, weil es bei falscher Behandlung reißen kann. Wichtig: Das ist kein Kriterium, das über Spaß oder Misserfolg entscheidet, ein sauber eingestelltes Kunststoffmodell ist besser als ein verstimmtes Holzinstrument. Dazu kommt ein passendes Klarinettenkoffer, in dem das Instrument beim Transport nicht verrutscht.

Ansatz und Tonbildung: Die typischen Anfängerfehler

Bei der Klarinette entscheidet der Ansatz über fast alles. Der häufigste Fehler ist, zu viel Mundstück in den Mund zu nehmen oder zu fest zuzubeißen. Das Ergebnis ist ein dünner, schriller Ton oder ein Quietschen. Die Unterlippe wird über die untere Zahnreihe gelegt, die obere Zahnreihe liegt direkt auf dem Mundstück. Die Mundwinkel schließen sich rund um das Mundstück, ähnlich wie beim Halten eines Strohhalms. Eine Faustregel: Wer nach zwei Minuten Spielen Schmerzen an der Unterlippe spürt, beißt zu stark. Auch zu wenig Luftstrom lässt den Ton instabil klingen.

Das zweite Problem ist das Blatt. Die Klarinettenblätter werden in Stärken angeboten, und Anfänger greifen oft zu hart, weil sie meinen, ein härteres Blatt klinge besser. Das Gegenteil trifft zu: Ein zu hartes Blatt lässt sich kaum anblasen, der Ton klingt stumpf und anstrengend. Für den Einstieg eignen sich weichere Stärken, meist im Bereich 1,5 bis 2. Wer ein Blatt hat, das auch in tiefen Lagen schlecht anspricht oder beim Spielen schnell nachlässt, sollte es austauschen. Ein Blatt ist ein Verschleißteil, und ein Vorrat von mehreren Stück lohnt sich.

Das Blatt muss außerdem richtig sitzen. Es liegt bündig mit der Spitze des Mundstücks, die Blattschraube der Ligatur sitzt so, dass das Blatt gerade gehalten wird, aber nicht gequetscht. Sitzt es schief, quietscht es oder spricht gar nicht an. Mit einem Klarinettenmundstück in guter Qualität werden viele dieser Probleme leichter beherrschbar, denn Fehler in Bahn und Spitzenöffnung des Standard-Mundstücks bremsen Anfänger unnötig aus. Wenn der Ton trotz sauberem Ansatz nicht gelingt, lohnt der Blick auf Blatt und Mundstück, bevor man an der eigenen Technik zweifelt.

Quietschen und Überblasen

Ein Quietscher entsteht meist durch zu viel Druck der Lippe, einen offenen Tonloch-Griff oder ein unsauber aufliegendes Blatt. Bei Griffen, die mit dem linken Zeigefinger beginnen, schließen Anfänger oft die Löcher nicht vollständig. Die Fingerkuppen müssen die Löcher wirklich abdecken, nicht nur berühren. Wer neu anfängt, spielt am besten langsam und kontrolliert einzelne Töne im Bereich des tiefen Registers, bevor er die Überblasklappe benutzt. Der Wechsel in das höhere Register gelingt erst mit stabiler Luftführung.

Ausrüstung und Pflege, die Probleme verhindern

Zur Grundausstattung gehören ein Wischer für die Klarinette, Korkenfett und ein Tuch zum Abwischen der Klappen. Nach jedem Spielen wird das Instrument durchgewischt, damit sich im Rohr kein Kondenswasser sammelt. Der Wischer zieht von oben nach unten durch jedes Teil. Bei Holzinstrumenten schützt das vor Rissen und Schimmel. Bei Kunststoff gelten die Hinweise sinngemäß, damit Klappen und Polster nicht leiden.

Die Korken an den Steckverbindungen brauchen gelegentlich Fett, damit sich die Teile leicht zusammenstecken lassen. Wer die Teile mit Gewalt zusammendrückt, riskiert verbogene Mechanik. Zum Zusammenbau hält man das Instrument an den Griffen, nicht an den Klappen, und dreht beim Stecken leicht. Das passende Korkenfett reicht für Monate. Zu viel Fett macht die Verbindung glitschig und lockert sie sogar, also nur dünn auftragen.

Zum Üben hilft zudem ein Notenständer, damit die Haltung gerade bleibt. Wer die Noten schräg liest, verspannt sich und der Ansatz leidet. Dazu ein Stimmgerät, mit dem man früh ein Gefühl für Intonation bekommt: Die Klarinette wird mit zunehmender Wärme im Rohr höher, wer kalt anfängt, spielt zu tief. Vor dem Üben also kurz warmspielen und dann stimmen, nicht umgekehrt. Beim Stimmen lässt sich die Birne ein kleines Stück herausziehen oder einschieben, im Kleinen funktioniert das gut.

Übungsroutine für die ersten Monate

Kurze, tägliche Einheiten bringen mehr als eine lange Session am Wochenende. Der Ansatz ist ein Muskel, der Aufbau braucht Regelmäßigkeit. Zwanzig bis dreißig Minuten am Tag reichen für den Anfang völlig. Beginne mit Langtönen im tiefen Register: Einen Ton so ruhig und gleichmäßig wie möglich halten, ohne dass er wackelt oder kippt. Das schult Luftführung und Ansatz gleichzeitig und ist wertvoller als hastiges Spielen von Liedern.

Danach folgen einfache Tonleitern, zunächst im tiefen Register, später mit dem Wechsel in die höhere Lage. Der Übergang zwischen den Registern, der sogenannte Schalmeibereich zu den höheren Tönen, gilt bei Anfängern als typische Hürde. Der Registerwechsel gelingt nur, wenn die Finger nicht verspannt sind und der Luftstrom konstant bleibt. Hilfreich sind langsame Übungen, bei denen man sich auf einen sauberen Wechsel konzentriert, nicht auf Tempo.

Ein Lehrer lohnt sich gerade am Anfang, weil sich falsche Ansatzgewohnheiten später nur mühsam korrigieren lassen. Wer allein übt, sollte zumindest regelmäßig Aufnahmen machen und kritisch zuhören: Klingt der Ton gleichmäßig, trifft die Intonation, bleibt die Haltung entspannt? Mit einem Metronom hält man zudem das Tempo stabil. Erst wenn Ansatz, Atem und Griffe sitzen, lohnt sich der Schritt zu schnelleren Stücken oder zum Zusammenspiel in einer Gruppe.